Internetauftritt der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGFHA) 

1. Die Stellung im Tierreich

HamsterHamster sind Säugetiere, die zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia) gehören. Typisch für Nagetiere sind lange, gebogene Schneidezähne in Ober- und Unterkiefer. Die Zähne wachsen ein Leben lang und werden deshalb trotz Abnutzung nicht kürzer. Die Hamster stellen eine Unterfamilie innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) dar. Bekannte Vertreter sind der Goldhamster oder der Dschungarische Zwerghamster. In Europa sind drei Gattungen mit je einer Art vertreten. Der Feldhamster (Cricetus cricetus) ist die einzige Art der Gattung der Großhamster.

2. Äußeres - der bunteste Geselle der Feldflur

Schädel eines HamsterDer in Deutschland einheimische Feldhamster gehört mit einer Körperlänge von 20 bis 35 cm und einem Körpergewicht von 200-500 Gramm zu den größeren Nagetieren. Charakteristisch für den Feldhamster ist sein auffällig buntes und für einheimische Säugetiere einzigartiges Fell. Der Rücken wird von einem braun gelblichen Fell bedeckt, das durch seinen schwarzen Grund eine typische Wildfärbung erhält. Schnauzenoberseite, die Augenpartien und das Halsband sind rotbraun. Ein weißer Wangenfleck, einer hinter dem Ohr und einer vor und hinter den Vorderbeinen sind auf beiden Seiten angeordnet. Insbesondere in Thüringen treten Farbabweichungen auf. Neben den normal-farbigen Tieren gibt es hier auch schwarze Hamster, bei denen nur Schnauze, Füße und Ohrränder weiß sind.

3. Winterschlaf - ein halbes Jahr "unter Tage"

nicht jeder kann so schön sein...Ende August beginnt der Feldhamster seinen Winterschlaf. Die Tiere schlafen aber nicht den gesamten Winter durch, sondern erwachen anfangs täglich, um von ihren Vorräten zu fressen. Im Laufe des Winters werden die Schlafpausen immer länger. Trotz ihrer Vorräte verlieren die Tiere dabei etwa ein Drittel ihres Körpergewichtes. Zum Überleben benötigen sie 2 bis 4 kg Wintervorrat. Die Tiere, die nicht genügend Nahrung sammeln konnten, überleben den Winter nicht. Ende März werden die Winterbaue wieder geöffnet und bald darauf beginnt die Paarungszeit.

4. Paarung und Jungenaufzucht

Die erste Paarungsperiode findet im Zeitraum Ende April bis Mitte Mai statt. Zur Begattung suchen die Männchen die Weibchen in ihrem Bau auf. Anscheinend besitzen Männchen ein festes Revier, in dem sie sich mit mehreren Weibchen paaren. Nach dem zweiten bzw. dritten Tag nach der Paarung nimmt das Weibchen stark an Gewicht zu. Die Tragzeit beträgt etwa 20 Tage. Die Geburt erfolgt im Bau in einem mit weichen Material ausgepolsterten Nest. Das Weibchen nimmt jeweils das geborene Jungtier am Nacken und trägt es in die Nestmulde. In der Regel werden 4 bis 12 Junge geboren, wobei sich anscheinend die Wurfgröße in den letzten Jahren verringerte (Gifte?). Bei der Geburt wiegen die nackten Jungen nicht mehr als sieben Gramm. Am fünften Tag wächst langsam eine graue Behaarung und sie fangen an, am von der Mutter eingetragenen Grünfutter zu fressen. Nach 12 Tagen wiegen sie schon um die 40 Gramm und können laufen. Nach zwei Wochen öffnen sie ihre Augen und nach 17 Tagen unternehmen sie gemeinsam mit der Mutter erste Ausflüge außerhalb des Baues. In der dritten Lebenswoche fressen sie bereits alleine. Im Alter zwischen 21 und 30 Tagen sind sie selbstständig und verlassen den Bau der Mutter. In dieser Zeit ist die Verlustrate sehr hoch, da die Tiere noch sehr unerfahren sind und sich erst ihren eigenen Bau und ein eigenes Territorium schaffen müssen. Mit 2 ½ Monaten sind die Weibchen bereits geschlechtsreif. Im Sommer bekommt das Weibchen meist ein zweites Mal Junge. Die Chance zu Überleben ist aber für diese Jungen sehr gering, da in Europa schon die Ernte der Felder beginnt und so kaum Nahrung zur Verfügung steht. In der Regel wird ein Feldhamster in freier Natur kaum älter als ein Jahr alt, kann aber in Gefangenschaft 4 Jahre alt werden.

5. Ernährung - der Generalist

lecker, lecker....Die Ernährung des Feldhamsters ist sehr abwechslungsreich, so dass man ihn als Allesfresser bezeichnen kann. Auf seinem Speiseplan stehen u.a. Halme, Knollen, Getreide, Klee, Möhren, Kartoffeln, Kohlpflanzen und Zuckerrüben. Aber auch Wildkräuter wie Löwenzahn und Spitzwegerich gehören zu seiner Nahrung. Daneben frisst er aber auch tierische Nahrung wie zum Beispiel Regenwürmer, Engerlinge, Käfer und sogar Feldmäuse.

6. Verhalten - klein aber mutig

Bei Störungen versucht der Feldhamster durch die Fallröhre in seinen Bau zu flüchten. Durch seine verhältnismäßigen kurzen Beine ist er aber zu einer längeren und schnellen Flucht nicht fähig. So hat er verschiedene Drohverhalten entwickelt. Er stellt sich auf seine Hinterbeine und bläst seine Backentaschen auf, um größer zu wirken. Die Zähne werden gefletscht und können dabei hin und her bewegen werden! Lautes Zischen und Knurren soll den Feind zusätzlich erschrecken. Wenn dies alles nicht hilft, wirft sich das Tier auf seinen Rücken und zeigt den schwarzen Bauch und die weißen Füße. Dieser schwarze Bauch ähnelt dem Maul eines Raubtieres, mit den weißen Pfoten als Reißzähne.

Feldhamsterbau

7. Der Lebensraum und die überlebenswichtige Deckung

Der Feldhamster ist ein typischer Bewohner der Feldlandschaft. Hier benötigt er Löß- und Lehmböden in einer Schichtdicke von mindestens einem Meter und der Grundwasserspiegel darf höchstens 1.20 Meter unter der Oberfläche liegen. Seine Baue legt er dort an, wo ganzjährig Nahrung und Deckung vorhanden ist. So finden sich Feldhamster bevorzugt in Klee- und Luzernefeldern, aber es werden auch mitten in Rüben- oder Getreidefeldern Baue angelegt. Diese sind gut an den sogenannten "Fraßkreisen", die um den Bau herum entstehen, erkennbar. Aufgrund der seltenen Bodenbearbeitung sind insbesondere in Klee- und Luzernefeldern häufig höhere Baudichten festzustellen. In Randstreifen, Böschungen, Gräben, Brachen und sogar in Kleingärten können ebenfalls einzelne Baue des Feldhamsters festgestellt werden. Diese bieten den Vorteil, dass außer einer meist einmaligen Mahd keine Eingriffe erfolgen. Wenn diese Flächen gar nicht mehr umgebrochen werden, meiden sie die Tiere aber schon nach wenigen Jahren. Im Laufe eines Jahres kann eine räumliche Veränderung der Siedlungsdichte festgestellt werden. Diese ist abhängig von der Fruchtfolge bzw. den Bewirtschaftungsmaßnahmen. Als maximal zurückgelegte Distanzen gelten 500-700 Meter.

Feldhamsterbau
Bau eines Feldhamsters (Naturwissenschaftliche Sammlung Museum Wiesbaden)