Internetauftritt der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGFHA) 

1. Bekämpfungsmaßnahmen

Das Ende eines FeldhamstersNach den Schilderungen von Landwirten wurden intensive Bekämpfungsmaßnahmen in den 50er- und 60er- Jahren des letzten Jahrhunderts durchgeführt. In der Regel wurden die Bauten hierzu von den Landwirten mit Wasser bzw. Jauche überschwemmt und die dann flüchtenden Tiere erschlagen. Die parallel hierzu durchgeführten behördlichen Bekämpfungsmaßnahmen sind zum Beispiel für Hessen in den Jahresberichten der Land- und Forstwirtschaftskammer Hessen-Nassau dokumentiert: "Im Raume Wiesbaden, vornehmlich in den Orten Schierstein, Biebrich, Kastel, Kostheim und Erbenheim wurde ein stärkeres Auftreten des Gemeinen Kornhamsters festgestellt. Die Ausstrahlung dieses Befalls gehen über die Gemeinden des unteren Maingaues Hochheim, Wicker, Massenheim, Flörsheim, Eschborn und Sossenheim hinaus. In diesem Gebiet wurden von Berufsfängern 6.203 Hamster gefangen." Ein Jahr später wurden diese Angaben noch ergänzt sowie die Weise der Bekämpfung angegeben: "Eine zunehmende Vermehrung des Hamsters wird im Rhein-Main-Gebiet schon seit 1955 beobachtet. Seit dieser Zeit wurden zunächst durch Hamsterfänger im Main-Taunus-Kreis einige 1.000 Hamster gefangen.

Im Berichtsjahre kamen erstmals auch aus dem Stadtkreis Frankfurt am Main und aus den Landkreisen Hanau und Friedberg Meldungen über stärkere Vorkommen des Hamsters. Es konnte deshalb die Bekämpfung den Hamsterfängern nicht mehr allein überlassen werden. Zunächst wurden für den Main-Taunus-Kreis systematische Bekämpfungen vorgesehen. Als Bekämpfungsmittel wurden die Herz´sche Wühlmaus-Patrone und Phostoxin-Tabletten zunächst versuchsweise eingesetzt. Auf Grund der guten Erfahrungen mit Phostoxintabletten wurden diese dann bei geschlossenen Bekämpfungen in mehreren Gemarkungen eingesetzt. Allein im Stadtkreis Wiesbaden wurden 29.970 Phostoxintabletten ausgelegt." Aufgrund der niedrigen Populationsdichte und den damit verbundenen geringen Schäden, gehören gezielte Bekämpfungsaktionen der Vergangenheit an. Viele Landwirte bemerken den Feldhamster nicht einmal mehr. Wenn aber die Dichte in einzelnen Schlägen wieder ansteigen sollte, ist eine Bekämpfung nicht auszuschließen.

2. Natürliche Feinde

Landwirte bei der Jagd (1959)Verluste durch natürliche Feinde stellen beim Vorhandensein einer gesunden Population keine grundlegende Gefährdung für den Feldhamster dar. Bei den derzeitigen geringen Dichten kann der Einfluß durch Füchse, Greifvögel, Marder usw. die Population zusätzlich dezimieren oder einen Anstieg verhindern. Mittels telemetrischen Untersuchungen bei Heidelberg und bei Hakel wurde übereinstimmend festgestellt, dass die Verluste durch Feinde die häufigste Todesursache darstellt. Auch bei Untersuchungen in Frankreich wurden starke Verluste durch den Fuchs festgestellt. Die Hauptursache hierfür liegt an einer fehlenden Möglichkeit der Deckung in der Zeit nach Beendigung des Winterschlafes und insbesondere im Spätsommer nach dem sofortigen Stoppelumbruch der Felder.

3. Art und Weise der Bewirtschaftung

Neben den intensiven Bekämpfungsmaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten ist vor allem die heutige Bewirtschaftungsweise Hauptursache für die Gefährdung des Feldhamsters. Diese nahm ihren Ursprung in dem Intensivierungsprozess der Landwirtschaft, der in den fünfziger Jahren einsetzte und bis heute andauert. In dessen Folge verschwanden zahlreiche Landschaftsstrukturen, die für eine Vielzahl von Arten der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft wichtige Bestandteile darstellen. So fehlt es heute an Nahrung in Form von Pflanzenmaterial und Tieren, Nist- und Brutmöglichkeiten, Deckung und Schutz vor Witterungseinflüssen. Für die biologische Vielfalt erwies sich zudem die Konzentration auf einige wenige Feldfrüchte (Weizen, Gerste, Mais, Zuckerrübe, Raps) sowie Veränderungen in der Bewirtschaftungsart (z. B. Vorverlegung des Stoppelfeldumbruchs) als verhängnisvoll. Die Getreideernte dauerte früher mehrere Wochen und die Stoppelfelder wurden erst im Spätherbst bearbeitet. Hierdurch hatte der Feldhamster, wie auch viele andere an die Feldflur angepasste Arten, noch ausreichend Nahrungsvorräte. Mit der drastischen Reduzierung des Anbaus von Feldfutterschlägen wie Luzerne und Klee verschwand ein optimaler Lebensraum. Auf diesen mehrjährigen Schlägen können ausgedehnte Baue errichtet werden. Zudem bieten sie ausreichend Deckung und selbst nach einer Ernte dauert es nur kurze Zeit, bis eine ausreichende Deckung nachgewachsen ist.
Feldrand

4. Landschaftsverbrauch und fehlender Biotopverbund

Der Zuwachs der Bevölkerung und die starke Bautätigkeit hat die landwirtschaftlich genutzte Fläche ständig verringert und somit auch den potentiellen Lebensraum des Feldhamsters. Hinzu kommt der umfangreiche Ausbau des Straßennetzes, der zu einer Verinselung der verbleibenden Flächen führt und den Austausch der Populationen verhindert sowie die Wiederbesiedelung einer einmal verlassenen Fläche erschwert. Auf den noch vorhandenen Agrarflächen besteht ein enormer Druck durch Freizeitaktivitäten (Golfplätze, Sportanlagen), weitere Baugebiete oder einfach durch streunende Haustiere wie Hunde und Katzen.

5. Tod durch Erntemaschinen und auf der Straße

Im Gegensatz zu früheren Jahren, ist heute der Einsatz von Erntemaschinen für jeden Landwirt selbstverständlich. Insbesondere während der Ernte werden ein nicht zu unterschätzender Anteil der Tiere direkt getötet. Landwirte berichten, wie immer wieder Feldhamster beobachtet werden, die versuchen einen Mähdrescher direkt anzugreifen. Auch die Verluste im Straßenverkehr sollten, bedingt durch das dichte Straßennetz und dem hohen Verkehrsaufkommen, nicht unterschätzt werden. Durch die geringen Dichten wird aber diese Problematik abgemildert, da der fehlende Populationsdruck kaum einen Grund bietet, eine Fläche zu verlassen.