In Thüringen für den Feldhamster aktiv

„Hatte ich bislang eher mit Fledermäusen und dem Lebensraum Wald zu tun, so kam ich im Rahmen des Projekts neu zu den Feldhamstern. Ich war gerade dabei, mich in die Thematik einzuarbeiten, als auch schon der erste Anruf kam: „Wir haben einen Feldhamster im Garten! Er erntet unseren Mangold!“ Also fuhr ich kurzerhand mit 10kg Getreide im Kofferraum los. Empfangen wurde ich von einem begeisterten Ehepaar, das mir direkt die Bilderserie „ihres“ Feldhamsters, der unter ihrem Hochbeet wohnte und sich tatsächlich im Glasbeet bediente, präsentierte. Den frisch gebackenen Feldhamster-Eltern konnte ich dann etwas über die Lebensweise des Feldhamsters erklären und ihnen das Getreide schenken, womit zumindest dieser Hamster sicher durch den Winter kommt. Seitdem teile ich ihre Begeisterung für die possierlichen Nager.“

David Urbaniec, Projektmitarbeiter Feldhamsterland Thüringen

 

Projektmitarbeiterin Anne Seeber

 

„Ältere Menschen aus meinem Bekanntenkreis erzählten mir hin und wieder, wie sie früher Feldhamster gefangen haben, um sich mit den Fellen etwas Geld dazuzuverdienen. Damals war das gang und gäbe. Der Feldhamsterbestand in unserer Gegend, auch um meinen Heimatort, war einst sehr groß. Wenn ich dann berichte, wie schlecht es dem Feldhamster heute geht, plagt die Leute das schlechte Gewissen. Hätten sie wissen können, wie schlecht es um den Feldhamster nur einige Jahrzehnte später stehen würde, so hätten sie das Fangen wohl unterlassen. Heute kartieren einige von ihnen mit mir zusammen Feldhamsterbaue auf dem Acker. Gemeinsam versuchen wir, den Feldhamster vor dem Aussterben zu bewahren.“

 

 

Anne Seeber, Projektmitarbeiterin Feldhamsterland Thüringen

 

Logo Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V.

Verbreitungskarte Thüringen

Feldhamster in Thüringen

Wie auch in anderen Bundesländern hat der Feldhamster in Thüringen vor allem mit moderner, intensiver Landwirtschaft auf sehr großen Feldern zu kämpfen. Diese führt einerseits zu einseitiger Ernährung, wodurch die Reproduktionsraten der Tiere drastisch vermindert werden können. Andererseits ist nach der Ernte auf großer Fläche keine Deckung und Nahrung mehr für die Hamster vorhanden. Dadurch werden sie zu leichter Beute für Raubtiere und finden nicht genügend Nahrung, um einen Wintervorrat anlegen zu können.

Diesem Problem kann durch streifenförmigen Anbau von Kulturen begegnet werden, so dass zwischen Streifen mit derselben Kultur immer mindestens ein Streifen einer anderen Kultur liegt. Diese Streifen können vollständig beerntet werden und bieten Hamstern, in erreichbarer Nähe ihres Baues, Nahrung und Deckung. Optimal für Hamster sind Kulturen wie Luzerne oder Erbsen, die über mehrere Jahre stehen und sehr gut als Hamsternahrung geeignet sind. Diese können in für den Hamster weniger geeigneten Kulturen, wie Raps oder Mais, streifenförmig eingebracht werden.