Förderung des Projekts „Feldhamsterland“ um eine halbe Million Euro aufgestockt

Das Projekt „Feldhamsterland“ erhält in Thüringen zusätzliche Fördergelder in Höhe von 509.414 Euro. Das Bundesamt für Naturschutz und das Thüringer Umweltministerium haben die Mittel ordentlich aufgestockt. Für den Feldhamsterschutz in Thüringen und darüber hinaus ist das ein positives Signal, denn die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat den Feldhamster kürzlich weltweit „als vom Aussterben bedroht“ eingestuft.

Das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderte Projekt „Feldhamsterland“ entwickelt Maßnahmen, mit denen das Aussterben der Art in Deutschland verhindert werden soll. „Wir suchen in den Feldhamster-Schwerpunktregionen mit Hilfe von Ehrenamtlichen nach verbliebenen Populationen und setzen dann gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten Schutzmaßnahmen um. Wir arbeiten schon mit vielen Landwirtinnen und Landwirten zusammen, die Resonanz ist gut“, so Magdalena Werner, Regionalkoordinatorin in Thüringen. Dem Feldhamster fehlt es vor allem in großflächigen Monokulturen an Deckung und Nahrung. Getreidestreifen, die nicht geerntet werden und spezielle Saatmischungen für Hamsterschutzstreifen schaffen hier Abhilfe. Neben dem Feldhamster profitieren viele weitere Arten von den Maßnahmen. Die Kosten werden den landwirtschaftlichen Betrieben ersetzt. „Mit den zusätzlichen Geldern werden wir schon dieses Jahr hunderte Hektar zusätzlicher Maßnahmen umsetzen!“, freut sich Werner.

Im Projekt „Feldhamsterland“ arbeiten Landwirtschaft und Naturschutz in fünf Bundesländern eng zusammen, um den Feldhamster zu retten. Projektträger in Thüringen ist der Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V., die Deutsche Wildtier Stiftung koordiniert das Gesamtprojekt. „Mit den zusätzlichen Mitteln können jetzt auf großen Flächen Maßnahmen für den Feldhamsterschutz umgesetzt werden, ein riesen Erfolg! Davon profitieren auch viele weitere Arten und wir können zeigen, wie Landwirtschaft und Artenvielfalt zusammen funktionieren.“ sagt Projektleiter Moritz Franz-Gerstein.

Feldhamster im gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht - Experten erklären die Hintergründe

Feldhamster im gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht – Experten erklären die Hintergründe

Der Feldhamster ist laut der Weltnaturschutzunion IUCN in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht. Wir haben zum Hintergrund der drastischen Abstufung zwei Feldhamsterexperten befragt, die an der wissenschaftlichen Bearbeitung der IUCN Einschätzung maßgeblich beteiligt waren: Dr. Ulrich Weinhold vom Institut für Faunistik und Tobias Reiners vom Senckenberg Institut erklären in diesem kurzen Video die Ursachen für die schnelle Abstufung und warum es um den bunten Ackerbewohner nicht nur in Deutschland, sondern in seinem gesamten Verbreitungsgebiet, so schlecht steht:

Feldhamsterschutz aus der Vogelperspektive

Praktischer Feldhamsterschutz, wie sieht das aus?

Der Feldhamster ist nicht nur in Deutschland, sondern in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht. Doch als typischer Ackerbewohner ist er zum Überleben nicht auf Schutzgebiete, sondern auf die Unterstützung von LandwirtInnen angewiesen. Um zu zeigen, wie das aussehen kann, haben wir mithilfe einer Drohne ein Video aufgenommen – praktischer Feldhamsterschutz aus der Vogelperspektive.

Im Projekt Feldhamsterland arbeiten wir eng mit den LandwirtInnen vor Ort zusammen und setzen gemeinsam eine feldhamsterfreundliche Bewirtschaftung um. In dem Video ist eine Schutzmaßnahme in Niedersachsen zusehen: Hier bietet der kleinteilige Anbau verschiedener für den Hamster geeigneter Kulturen dem bedrohten Ackerbewohner über einen langen Zeitraum Deckung vor Feinden und Nahrung. Und davon profitieren auch zahlreiche andere Bewohner unserer Feldflur.

Welche Entwicklungen die Landwirtschaft durchlebt (hat) und vor welchen Herausforderungen die LandwirtInnen stehen, ist hier in einem lesenswerten Artikel zusammengefasst.

Wenn Sie Interesse haben, auf Ihren Feldern Schutzmaßnahmen umzusetzen oder sich als KartierhelferIn bei der Suche nach dem bunten Baumeister engagieren möchten, nehmen Sie gerne Kontakt mit unseren AnsprechpartnerInnen auf!

Auch aus der Ferne ganz nah dabei – Online Exkursion ins Feldhamsterland

Feldhamsterschutz lebt neben den regelmäßigen Erfassungen der Vorkommen und dem Anlegen von speziellen Schutzmaßnahmen mit Landwirten auch vom Rückhalt der Gesellschaft. Darum wollen wir so viele Menschen wie möglich für den Schutz des Feldhamsters und den Erhalt der Biodiversität in der Agrarlandschaft begeistern und für diese Thematik sensibilisieren.

Erfahrungsgemäß funktioniert das am besten, wenn wir gemeinsam auf den Acker gehen und dort in den Lebensraum des Feldhamsters eintauchen. Aufgrund der COVID-19-Pandemie konnten unsere alljährlichen Exkursionen im Frühjahr 2020 leider nicht stattfinden. Deshalb haben wir kurzerhand zwei „kleine Online-Exkursionen“ gedreht. Alle die Lust haben, können unsere Regionalkoordinatorin  Melanie Albert also auch aus der Ferne ins „Feldhamsterland“ begleiten und alles rund um den bedrohten Nager erfahren.

Viel Spaß beim Video!

Feldhamster in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht

Der Feldhamster ist in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht. Das ist das ernüchternde Urteil der Weltnaturschutzunion (IUCN). In der aktualisierten Version der Internationalen Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN ist der Feldhamster (Cricetus cricetus) als „critically endangered“, also als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Bislang war man davon ausgegangen, dass es in dem riesigen Verbreitungsgebiet von Belgien bis nach Sibirien noch vielerorts jede Menge Feldhamster gibt. Doch dem ist laut Meinung der Experten nicht mehr so: Auch in früheren „Hamsterhochburgen“ wurden massive Einbrüche beobachtet, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den ehemals dicht besiedelten Regionen in Osteuropa. Anscheinend hat sich das dramatische Verschwinden des Nagers, welches in Deutschland und den Nachbarländern seit einigen Jahrzehnten beobachtet wird, auch im östlichen Verbreitungsgebiet fortgesetzt. In Deutschland gilt der Feldhamster schon länger als vom Aussterben bedroht und ist daher laut Gesetz streng geschützt. Nun ist er offiziell in seinem gesamten Verbreitungsgebiet akut vom Aussterben bedroht – darüber wurde auch in der Presse berichtet.

Feldhamster laut Weltnaturschutzunion vom Aussterben bedroht

Der Feldhamster ist laut Weltnaturschutzunion (IUCN) vom Aussterben bedroht („critically endangered“)

 

Der Europäische Gerichtshof stärkt den Feldhamsterschutz!

Für FeldhamsterschützerInnen ist das schon lange eine klare Sache: Auch wenn ein Feldhamsterbau im Moment der Erfassung nicht genutzt wird, ist dieser zu schützen. Feldhamster wechseln immer wieder die Baue und nutzen mitunter mehrere Baue parallel. Ungenutzte Baue werden von Feldhamstern auf Wohnungssuche gerne angenommen.
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (Rechtssache: C-477/19) bestätigt nun, dass „ungenutzt“ nicht „ungeschützt“ heißt.

Eine gute Nachricht für den Feldhamster!

 

 

Die Feldhamstersuche steht vor der Tür – kommt mit uns auf den Acker

Die Temperaturen steigen, die Felder färben sich langsam aber sicher gelb. Bereits in wenigen Wochen wird die Getreideernte beginnen und für uns damit die Zeit der Feldhamstersuche. In unseren Projektregionen suchen wir gemeinsam mit Freiwilligen nach den Bauen des Feldhamsters und sammeln damit wertvolle Informationen zur aktuellen Bestandssituation der vom Aussterben bedrohten Art. Hier hilft jedes Augenpaar, denn nur wenn wir wissen, wo der Feldhamster noch vorkommt, können wir Schutzmaßnahmen effektiv Planen und Umsetzen.

Ihr seid gerne draußen, einigermaßen unempfindlich gegenüber Hitze und gut zu Fuß? Ihr habt Lust, Euch mit uns für den bunten Baumeister und die Artenvielfalt in unserer Agrarlandschaft einzusetzen? Dann nehmt Kontakt mit unseren AnsprechpartnerInnen vor Ort auf. Wir freuen uns auf Euch!

Freiwillige suchen nach dem Feldhamster

Fenja Feldhamster – eine kindgerechte Reise in die Welt der bunten Baumeister

Neben der engen Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und den umfangreichen Kartierungen mithilfe Ehrenamtlicher ist auch die Bildungsarbeit rund um den Feldhamster und seinen Lebensraum ein zentraler Bestandteil des Projektes Feldhamsterland. Unser neues Heft im Taschenformat mit dem Namen „Fenja Feldhamster – allein auf dem Acker?“ bringt Kindern und Heranwachsenden die verborgene Welt der Feldhamster näher. Die Kinder können das Feldhamsterweibchen Fenja auf Ihrer Reise durch das Hamsterjahr, vom Erwachen aus dem Winterschlaf über die Suche nach einem neuen Zuhause begleiten.

Das Heft ist kostenfrei erhältlich und kann hier bestellt werden.

Bei Interesse kommen unsere RegionalkoordinatorInnen gerne auch direkt in die KiTa, den Kindergarten, oder die Schule, um den bunten Baumeister und sein Leben auf und unter dem Acker vorzustellen!

Dazu einfach Kontakt aufnehmen über: Feldhamster@DeWiSt.de

Fenja Feldhasmter - Allein auf dem Acker?

Suche nach dem Feldhamster – Verstärkung auf vier Beinen

Mithilfe zahlreicher ehrenamtlicher KartierhelferInnen konnten wir deutschlandweit in diesem Frühjahr mehrere Hundert Hektar nach dem Feldhamster und seinen Bauen absuchen. An dieser Stelle noch einmal tausend Dank für die Unterstützung an alle Beteiligten! Die Feldhamsterkartierungen liefern die Datenbasis der aktuellen Feldhamster Vorkommen – nur mit diesen Informationen können wir in Zusammenarbeit mit LandwirtInnen gezielt Schutzmaßnahmen für den bedrohten Ackerbewohner platzieren.

Inzwischen steht das Getreide in allen Projektregionen so hoch, dass die charakteristischen Baueingänge des Ackerbewohners mit dem Auge kaum noch zu entdecken sind. Da konnte nur noch eine Schnauze helfen, eine sehr gute Schnauze. Also haben wir uns für die Kartierung in Hohendodeleben in Sachsen-Anhalt vierbeinige Verstärkung gesucht – Smilla, eine vierjährige Weimaraner Hündin, unterstützte uns bei der Feldhamstersuche. Smilla wurde von Ihrer Besitzerin Mareike Schneider als Naturschutzsuchhund ausgebildet. Ihr Spezialgebiet ist es, aktiv belaufene Feldhamsterbaue aufzuspüren. In dem Video könnt Ihr nachverfolgen, wie die Suche nach dem Architekten unterm Acker abläuft. Viel Spaß dabei!

Feldhamster in Deutschland – Einblick in vergangene Zeiten

Als die Landwirtschaft dem Feldhamster und anderen Bewohnern der Feldflur noch deutlich mehr Raum zum Leben ließ, konnte sich der Nager in einigen Jahren so stark vermehren, dass es mancherorts zu Ernteverlusten kommen konnte. Die Art erregte daher bereits früh die Gemüter der Menschen. In „Brehms Thierleben“ wurde der Nager Ende des 19. Jahrhunderts als „leiblich recht hübsches, geistig aber umso hässlicheres […] Geschöpf“ beschrieben. Um die Feldhamsterbestände zu reduzieren, wurde dem Ackerbewohner in Deutschland nachgestellt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gruben Hamsterjäger die Baue aus, um das Fell wie auch das gesammelte Getreide des Nagers zu erbeuten. Später wurden die Baue zunehmend geflutet, oder die Tiere mit Fallen gefangen. Noch in den frühen 1950er Jahren wurden allein in Sachsen-Anhalt jährlich eine bis zwei Millionen Feldhamster erlegt.

Noch vor dreißig Jahren war es kaum vorstellbar, dass der Feldhamster in Deutschland einmal vom Aussterben bedroht sein würde. Wir sollten daraus lernen, dass die von uns herbeigeführten Änderungen der Natur viel drastischere Auswirkungen haben, als wir uns im jeweiligen Moment vorstellen können. In der neuen Rubrik „Geschichtliches“ stellen wir Berichte von Zeitzeugen vor – so gewinnen wir Einblicke in vergangene Zeiten. Wenn Ihnen/Euch noch Geschichten zum Feldhamster und seiner Verfolgung einfallen, freuen wir uns über eine Nachricht an Feldhamster@DeWiSt.de

Feldhamsterfänger bei der Jagd